Wieder hat es mich in den Norden gezogen, bevor es im Sommer nach Frankreich und Spanien gehen wird. Diesmal waren es drei Wochen für mich allein. Allein, aber nicht einsam, denn ich mag gerne allein reisen. Wie es mir so erging, wo ich war und was ich gesehen habe, erfährst du ab jetzt.
Es stand für mich schon länger fest: bevor ich mit meiner Tochter die Sonnenfinsternis in Spanien ansehen werde, möchte ich noch drei Wochen in den Norden. Das schöne am Frühsommer (also die Zeit ab Ende Mai) ist, dass die Schneeschmelze in vollem Gange ist, aber noch genug Schnee auf den Fjells liegt. So sind die Wasserfälle gut gefüllt, die Täler schon grün und mit den ersten Lupinen farblich aufgepeppt, und auf den Fjells kannst du immer noch den Winter erleben. Eigentlich Norwegen as its best. Denifinitiv neben dem Herbst eine der schönsten Zeiten für den Norden.
Meine Reise sollte mich gar nicht so weit nördlich bringen. Ich wollte Fjordnorwegen und den Süden etwas genauer erkunden, einige Wasserfälle und Orte besuchen, die mich schon länger gereizt haben.
Los ging es am 22. Mai 2026. Nachdem die letzten Dinge im Camper verstaut waren gab es für meinen Mann am Nachmittag einen letzten Kuss und es ging los. Ich wollte die Nacht nahe Hirsthals verbringen, von wo am nächsten morgen die Fähre nach Kristiansand ging. Meine übliche Strecke also.
Der gewohnte Freistehplatz war allerdings ungemütlich. Hupende Autos, viel Verkehr. Ich hörte auf mein Bauchgefühl und wechselte noch um 22:00 Uhr auf den Stellplatz in Hirsthals. Von dort startete ich am nächsten Morgen auf die Fähre. Es war wieder einmal die MS Bergensund, die mit mir und Rudi ablegte.
An Bord lernte ich ein nettes dänisches Paar kennen, das unterwegs zur Familie nach Stavanger war. So verbrachten wir die knapp 3,5 Stunden mit Gesprächen über dies und das.
In Norwegen angekommen ging es von Kristiansand direkt zu meinem ersten Wasserfall. „Es ist ja schließlich erst 13:30 Uhr, der Tag ist noch lang“, dachte ich. Und das stimmte auch. Der Sonnenuntergang war ja erst um 22:00 Uhr und die Fahrt dorthin ungefähr 3 Stunden. Es passte also.
Diesen ersten Wasserfall der Reise habe ich schon länger auf meiner Liste stehen. Im Herbst lohnt es sich aber meist nicht, ihn aufzusuchen, denn dann führt er nur wenig Wasser. Das gilt für die meisten Wasserfälle, erst recht, wenn sie durch Kraftwerke reguliert sind. Aber nun, zur Schneeschmelze, versprach ich mir einen tosenden Wasserfall. Ich sollte nicht enttäuscht werden.
Der Wasserfall ist der Høgfoss. Er ist durch seine Zweiteilung besonders beeindruckend, obwohl der eigentliche Fall „nur“ 15 meter ist. Der Weg dorthin ist kurz aber knackig. Es geht teilweise steil bergab, über Baumwurzeln durch einen Wald. Um den Wasserfall herum führt ein Wanderweg, der diesmal sogar gut ausgebaut ist. Man hört den Wasserfall schon ziemlich früh auf dem Weg, und plötzlich ist man da. Beeindruckend! Leider hatte ich nur mein 24-105 mm eingepackt, hier hätte ich mein Weitwinkel gut gebrauchen können. Ich habe dann aus der Hand ein Panorama gemacht. Ein guter Grund, den Wasserfall noch einmal zu besuchen. Und auch, meine Packliste zu überarbeiten. Du musst hier ziemlich am Abgrund stehen, um den Wasserfall in seiner ganzen Größe abzulichten, also Vorsicht! Ein Video habe ich dir auch hochgeladen, das findest du hier.
Ich ging noch auf die andere Seite, immer auf der Suche nach einem guten Blick auf den Wasserfall.
Dann packte ich zusammen und ging langsam zurück zum Camper. Schlafplatz suchen. Das stellte sich hier in der Telemark als nicht so ganz einfach heraus, aber nach zwei Fehlversuchen fand ich mein Plätzchen auf einer kleinen Lichtung neben der Straße, wo ich ungestört den schönen Abend und die Nacht verbrachte. Was ein schöner, ausgefüllter erster Tag meiner Reise!
Die Strecke zu meinem Schlafplatz führte durch Notodden. Dort gibt es eine Besonderheit: die Straße führt quer über eine Start- und Landebahn. Wenn Flugverkehr ist, werden die Schranken geschlossen. Habe ich so auch noch nicht gesehen.
Am nächsten Tag, dem 24.05. wollte ich noch einmal den Gamle Haukelivegen befahren. Im Herbst ’25 hatte ich hier schöne Bilder machen können, und wollte sehen, wie der Weg in dieser Jahreszeit aussieht. Ich machte mich also auf den Weg zum Haukelifjell.
Unterwegs kam ich an der Stabkirche Heddal vorbei. Ich hielt an und machte ein paar Bilder. Drinnen konnte ich leider nicht fotografieren, der Gottesdienst fing gerade an. Ich besuchte auch die alte Wassermühle, die ein Stück weiter die Straße längs liegt.
Die E134 führt bequem zum und durch das Haukelifjell, und ich erreichte schon bald die Auffahrt zum alten Weg. Doch nach gut 200 Metern endete das Vergnügen: hier lag noch Schnee, und zwar so ungefähr einen Meter hoch. Und auch auf der Straße. Das konnte also nichts werden. Auch zum Wandern war der Schnee zu hoch, also wieder rückwärts runter (umkehren geht hier nicht) und wieder auf die E134. Und jetzt? Eine weitere geplante Straße, über das Röldalsfjell, war gesperrt. Ich beschloss, zur Haukeliseter Fjellstue zu fahren und dort für die Nacht einen Stellplatz (und eine Dusche) zu buchen. Meine Reise fing ja erst an, ich wollte mich neu sortieren und eventuell etwas umplanen, denn die Wintersperren waren noch überall.
An der Fjellstue kannst du Zimmer buchen. Aber wohl nicht, wie du vermutest, denn es sind Gruppezimmer mit 8-10 Betten. Das ist eigentlich typisch für diese Wanderer Unterkünfte in Norwegen. Dazu passen die Duschräume, in denen du 7-8 Duschen ohne Abtrennung findest. Quasi wie früher nach dem Schulsport. Zusätzlich kannst du hier als Camper einen Stellplatz buchen. Die Fjellstue bietet auch eine Sauna und einen Grillplatz in traumhafter Umgebung – beides wird auch im Schnee genutzt.
Alleine vom Hinschauen bekam ich eine Gänsehaut.
25.05.26
Der Tag begann wie immer – Müsli und Tee. Dann noch eine schnelle Dusche und es konnte losgehen. Ich fuhr noch ein Stück die E134, bis ich bei Hara links auf die 13 schwenkte. Diese Strecke bin ich noch nicht gefahren. Im Gegensatz zum nördlichen Verlauf ist die 13 hier in schlechtem Zustand und sehr schmal. Natürlich musste mir an einer Engstelle ein LKW entgegenkommen. Die Fahrerin war aber sehr entspannt und wartete freundlich, bis ich rückwärts in einer Hofeinfahrt verschwand. So sollte es hoffentlich nicht weitergehen! Nach kurzer Zeit kam mein erstes Ziel für den Tag in Sicht. Der neu gestaltete Rastplatz Juvo. Dort sollte es Aussichtspunkte in die Schlucht geben. Ja, die waren da. Und – wow.
Das war schonmal ganz nett. Nun ging es weiter, ich wollte einen kurzen Aufstieg zu einer alten Farm machen. Doch leider war die Treppe zerstört, und bei dem nassen Gras wollte ich bei der Steigung ganz bestimmt nicht ohne festen Untergrund gehen. Also weiter.
Der nächste Halt sollte auch mein Übernachtungsplatz werden – der Rasteplass Ropeid. Dazu bog ich am Lovraeidet auf die fv42 ab. Am Rastplatz haben früher Autofähren angelegt, aber das ist vorbei. Nun gibt es nur noch Fußgänger-Fähren, die ab frühem Morgen bis zum Beginn der Nacht anlegen und abfahren. Das alte Parkareal ist durch eine Kunstinstallation aufgewertet worden, die bei Tageslicht allerdings einen eher langweiligen Eindruck macht.
In der Nacht aber!
Auf diesem Rastplatz verbrachte ich mit vier weiteren Campern eine ruhige Nacht. Ich lernte noch eine ebenfalls alleinreisende Norwegerin kennen. Sie hatte gelauert und dann entdeckt, dass ich tatsächlich alleine war, dann kam sie an meine offene Schiebetür. Wir hatten einen netten Schnack – ich auf Dänisch, sie auf Norwegisch. Und wo die Worte fehlten, half Englisch oder Hände und Füße.
Am nächsten Tag ging meine Tour weiter. Mein Ziel waren die alten Zinkminen bei Allmannjuvet. Hier wurde früher Zink abgebaut. Die Straße (die fv520) verläuft dahin durch wunderschöne Landschaften. Die stillgelegten Minen sind touristisch und museal aufgearbeitet worden. Auch die Toiletten des Rastplatzes sind den alten Gebäuden angeglichen.
Dann setzte ich meinen Weg auf der fv520 fort. Ich wollte am Ende wieder auf die 13 stoßen. Ab Breiborg ungefähr wurde die fv520 interessant. Schmal, steil, kurvig und Schnee an den Seiten, denn es ging bis auf 900 m.ü. M.
Dass die Schneeschmelz in vollem Gange war, konnte ich gut sehen – überall waren die Kanten bröckelig, teilweise lagen Brocken von Schnee auf der Straße. Auch die Bergseen waren teilweise nur noch mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Glücklicherweise war ich auf dem Abschnitt allein auf der Straße, denn Ausweichstellen sind hier Mangelware.
Irgendwann stieß ich wieder auf die E134, wo ich bei Skare die kostenlose Ver- und Entsorgungsstation aufsuchte. Eine gute Gelegenheit, den Camper wieder zu leeren und Frischwasser aufzunehmen. Von hier ging es weiter nordwärts bis Voss, wo ich wieder am Stellplatz des Golfplatzes eincheckte. Das Wetter war großartig und warm, darum stellte ich meine Solartasche auf, um noch etwas Energie für meine Powerstation zu müllern. Als ich da so gemütlich bei offener Schiebetür saß, sah ich ein Ei vom Baum in meine Richtung kullern. Dachte ich. Ich sammelte das „Ei“ auf …

Da hatte wohl jemand ordentlich drauf gedroschen, denn der Court ist eine ganze Ecke weiter weg. Ich war ziemlich dankbar, dass es einen Meter links von mir war. Meine Frontscheibe wäre sonst vielleicht gerissen.
Etwas später warf ich für mein Abendessen den Grill an. Mehr passierte an diesem Tag nicht, aber mir war es wirklich genug.
27.05.26
Mein Tagesziel war das Gaularfjellet. Ich bin schon öfter dort oben gewesen, aber weil es so schön ist, möchte ich da noch einmal hin und diesmal auch auf dem Fjell übernachten. Doch erst einmal kam der Weg dorthin.
In Voss kaufte ich einmal ein. Auch die örtliche KFZ Werkstatt besuchte ich, denn seit der Fahrt durch Dänemark quitschte das linke Vorderrad in der Kurve und beim Bremsen. Der Mechaniker hatte leider keine Zeit in der Werkstatt, schaute aber kurz, ob er etwas sehen konnte. Die Vermutung war schließlich, dass sich ein Stein in die Bremse geschmuggelt hat. Tatsächlich hat das Quietschen mich die ganze Reise über verfolgt. Den Werkstatt-Termin habe ich endlich in dieser Woche.
Um von Voss ins Gaularfjellet zu kommen müssen zwei Fährstrecken genommen werden – Vangsnes – Hella – Dragsvik. In den letzten Jahren war es immer so, dass ich in Hella von Bord fahren musste, eine Kehre fahren und wieder rauf. Diesmal durfte ich gleich an Deck den Camper umdrehen. Wie schön, so wusste ich, dass ich bis Dragsvik Ruhe hatte.
Die Zeit reichte für ein kleines Mittagsbrot und dann war ich wieder auf der Straße.
Es gab viel zu sehen auf der Fahrt, einschließlich eines Kormorans, den ich bei der Verrichtung geschäftlicher Angelegenheiten fotografieren konnte. Der Kormoran ist übrigen mein Lieblingsvogel.
Wie vermutet lag auch hier noch Schnee.
Die gesamte Landschaftsroute Gaularfjellet ist 114 km lang und bringt dich auf bis zu 784 m.ü.M.
An meinem Schlafplatz angekommen verbrachte ich einen ruhigen Abend und auch die Nacht war stille. Wie es mit meiner Reise weitergeht erfährst du demnächst.



































