71°10’21” oder einmal Nordkap und zurück. Teil 4.

71°10’21” oder einmal Nordkap und zurück. Teil 4.

Auf geht’s zum vierten und letzten Teil des Reiseberichts. Den ersten Teil findest du hier unter dem Link. Viel Spaß beim Lesen!

Gletscher

Von unserem Schlafplatz im Skigebiet aus fuhren wir in Richtung Gaupne. Wir wollten am Niegardsbreen, einer Gletscherzunge, vorbeifahren, um an den Stausee Styggedalsvatnet zu gelangen. Dort wollten wir den Blick auf den Gletscher genießen. Doch wir sollten so weit nicht kommen. Auf der Strecke befindet sich ein sogenannter Betriebstunnel (für den Stausee), wie so oft unbeleuchtet und einspurig. Dieser war leider gesperrt. Also umsonst gefahren, wieder zurück.

Dafür hatten wir dann einige Aussichten auf den Niegardsbreen und die umliegenden Landschaften.

Nahe Niegardsbreen
Nahe Niegardsbreen
Nahe Niegardsbreen
Nahe Niegardsbreen
Blick auf den Niegardsbreen
Blick auf den Niegardsbreen

.

Wir steuerten dann unseren Schlafplatz an – ein kleiner Campingplatz in der Nähe von Borgund. Die Betreiber waren nicht vor Ort, stattdessen fanden wir einen Aushang an der Rezeption: Wir sollten uns einen Platz suchen und uns einrichten, gegen Abend würden die Betreiber einmal herumgehen.

Am nächsten Morgen ging es nach einem gemütlichen Frühstück wieder auf die Straße. Es sollte in Richtung des nächsten Zieles gehen: das Hemsedal. Dort wollten wir noch einmal den Rjukandefoss besuchen.

Der Rjukandefoss

Wir fuhren zum Rjukandefoss und parkten am dazugehörigen Parkplatz. Der Weg zum Wasserfall ist nicht lang, aber ein typisch Norwegischer Wanderweg – kleine Holzbrücken, Pfade über festgetretenen Sand oder Fels, Steigungen, die nur überwunden werden können, indem du die Baumwurzeln als Treppe nutzt.

Am Wasserfall selbst gibt es zwei Aussichtspunkte – das linke Bild ist vom oberen, das rechte vom unteren Aussichtspunkt.

Rjukandefoss
Rjukandefoss
Rjukandefoss
Rjukandefoss

Schau dir zum Vergleich das Bild vom Herbst an – jetzt im frühen Sommer gibt es hier wesentlich mehr Wasser!

Nachdem wir den Wasserfall fotografiert hatten, ging es weiter. Unterwegs fiel uns dann noch dieses offensichtlich verlassene Haus auf …

Lost Place
Lost Place

Hardanger Vidda

Bei Gol änderten wir unsere Fahrtrichtung auf West, um auf die E7 zu kommen. Auf die Art konnten wir die Hardanger Vidda durchfahren und am Ende den Vöringfossen besuchen. Die Hardanger Vidda ist mit ca. 8.000 m2 die größte Hochebene Europas und hat im Mittel eine Höhe von 1.200 m – 1.400 m ü. M. Aufgrund der Höhenlagen gibt es hier natürlich auch noch Schnee und Eisschollen auf dem Wasser.

Hardanger Vidda
Hardanger Vidda
Hardanger Vidda
Hardanger Vidda

Die Hardanger Vidda ist wunderschön. An ihrem Ende liegt der Hardanger Fjord. Vorher besuchten wir aber wieder den Vöringfossen, der wie erhofft nun mehr Wasser als letzten Herbst führte.

Vöringfossen, Panorama
Vöringfossen, Panorama

Die Abwärtsfahrt in Richtung Hardanger Fjord enthält Tunnel, die in Kurven bergab führen (siehe auch den Artikel unserer Herbst-Tour, 25.09.21). Unterwegs gibt es noch einige nette Rastplätze, die wir uns diesmal anschauten.

Måbödalen
Måbödalen

Danach steuerten wir unseren Schlafplatz an, ein Parkplatz in der Nähe der Hardanger Brücke. Dieser Platz wird in einer bekannten App für Übernachtungsplätze gelistet, und das war spürbar: Von den 20 Plätzen wurden im Laufe des Abends und der Nacht 17 durch Camper belegt, die übrigen 3 durch norwegische PKW. Dass Anwohner dann verärgert auf uns Camper reagieren, kann ich nachvollziehen. Als wir einparkten, waren es nur 4 Camper. Wären wir später, bei fast vollem Platz angekommen, wären wir weitergefahren, eben um solche Situationen zu vermeiden. Ich vermute mal, dass dort im nächsten Jahr ein Camping-Verboten-Schild stehen wird.

Rv13

Nach einem guten Frühstück fuhren wir wieder einmal früh los. Wir folgten wieder einmal der Rv13, eine Straße, die durch wunderschöne Gegenden führt.

Zunächst ging es an einem Seitenarm des Hardangerfjord entlang. An den steilen Hängen wachsen überall Apfelbäume, hier wird auch Cider hergestellt. So fuhren wir, bis wir wieder einmal zum Låtefossen kamen. Wie im Herbst war hier allerhand los.

Am Hardangerfjord
Am Hardangerfjord

Låtefossen
Låtefossen, Detail

Ab Skare folgten wir der E134 und dann der 520 bis zum Svandalsfoss. Diesen Wasserfall konnten wir aber nicht fotografieren. Er führte derart viel Wasser, dass er die gesamte Straße nass gemacht hat. Gleichzeitig liegt der Wasserfall etwas zurück, sodass auch seitliche Aufnahmen nicht gemacht werden konnten. Definitiv ein Wasserfall für wasserfeste Bekleidung und Kameras.

Wir fuhren also weiter, bis wir ungefähr bei Ropeid auf die 46 und dann später auf den Indre Ryfylkevegen wechselten.

Es ging wieder ins Gebirge, und es war wieder schön.

Im Hochland
Im Hochland

Dann steuerten wir Sand an, wo wir auf einem Stellplatz in Sichtweite der Høse Bru übernachteten. Ein kleines Stück weiter gibt es ein Lachsmuseum. Dort kannst du beobachten, wie die Lachse den kleinen Wasserfall hochspringen. Leider war uns kein springender Lachs gegönnt, es war wohl nicht die richtige Zeit.

Beherzter Leuchtturm
Beherzter Leuchtturm
In Sand, Høse Bru
In Sand, Høse Bru

Ravnejuv

Die Nacht war ruhig und ausgeschlafen starteten wir in den Tag. Von Sand aus folgten wir ein Stück der Rv13, dann der E134, der Austmannalia und Dyskar (beide Scenic Road) über das Haukelifjell in Richtung Raven Gorge, dem Ravnejuv.

Was soll ich noch sagen? Eine wahnsinnig schöne Strecke!

Ryfylke Museum
Unterwegs
Auf dem Haukelifjell

Etwa 20 km hinter Åmot bogen wir in den Ravnejuvvegen ein. Heute wollten wir – bei viel besserem Wetter als im Herbst – das Ravnejuv (Rabenschlucht) besuchen. Das Ravnejuv ist eine Schlucht, und wie in Skandinavien üblich gibt es keine Sicherung, die vor einem Sturz in 350 m Tiefe abhalten könnte. Doch zuerst kommt die Arbeit: Die Fahrt längs des Ravnejuvvegen ist nicht ohne. Letztes Jahr sind wir aus Süden kommend gefahren, und meiner Meinung ist der südliche Teil des Weges schlimmer, weil enger, steiler und steiniger.

Also sind wir dieses Mal vom Norden kommend in den Ravnejuvvegen eingefahren und nach dem Besuch auch wieder zurück. Doch zuerst stand der Besuch der Schlucht an. Der Weg dahin ist natürlich wieder klassisch – über Baumwurzeln und Felsen, einschließlich einer Kletterpartie, ging es zur Schlucht. Angekommen haben wir uns vorsichtig der Kante genähert – das zog ganz schön im Magen! Nach einigen Bildern hatten wir genug und haben die Schlucht wieder verlassen.

Ravnejuv
Ravnejuv
Am Ravnejuvvegen
Am Ravnejuvvegen
Ravnejuv
Ravnejuv – warum heißt es wohl “Rabenschlucht”?

Für heute war es genug, wir steuerten Dalen an. Vorher haben wir uns noch von außen die Stabkirche in Eidsborg angesehen. Die Stabkirche ist gerade frisch geteert worden, und in der Wärme der Sonne tropfte die schwarze Masse vom Dach.

Stabkirche Eidsborg
Stabkirche Eidsborg

In Dalen sind wir dann wieder auf dem Campingplatz des Holländers gelandet. Dort haben wir eine ruhige Nacht am Fluss verbracht.

Verdens Ende

Am morgen des 21.06. sind wir Richtung Osten gefahren. Wir hatten noch etwas Zeit, bis die Fähre am 24. ablegen sollten, und die wollten auch wir am “Verdens Ende”, dem Ende der Welt verbringen. Dort gibt es einen schönen Park, Felslandschaften und ein Vippefyr (ein Schaukel-Leuchtfeuer). Wir parkten uns gleich auf dem WoMo Stellplatz dort ein, den ich bequem mit der EasyPark App bezahlen konnte und machten uns dann auf den Weg zum Vippefyr.

Leider bekamen wir all dies nicht zu sehen – auf dem Weg, den Camper noch in Sicht, knickte ich links um, stürzte und zog mir eine üble Platzwunde am rechten Knie zu. Zurück am Camper angekommen holte ich mein Verbandszeug aus dem Heck, denn es blutete fröhlich durch meine Hose, die tatsächlich heile geblieben war. Als ich dann die Wunde versorgen wollte, stand schnell fest – das muss genäht werden. Ich rief die Lege Vagt (Ärztliche Bereitschaft) an, und nach ca. 3/4 Stunde war eine Ärztin mit Helfer bei uns im Camper. Die Ärztin hat mich tatsächlich IM CAMPER verarztet und die Wunde mit 19 Stichen genäht.

Damit war dann der Urlaub 2 Tage zu früh zu Ende – am Ende der Welt. Nach einer diesmal unruhigen Nacht machten wir uns am Morgen auf Gut Glück auf den Weg nach Kristiansand. Fahren konnte ich noch, obwohl der linke (umgeknickte) Fuß beim Kuppeln schmerzte und das rechte Knie das Bremsen nicht so toll fand. Am Fährhafen angekommen konnten wir uns auf Warteposition stellen, und nach ca. 2 Stunden stand endlich fest, dass wir mit der Fähre fahren konnten. So kamen wir gegen 15:15 in Hirtshals an. Wir sind dann mit Pausen nach Hause, wo wir gegen 22:30 die letzten – für die Nacht nötigen – Dinge ausluden. Alles andere erledigten wir am nächsten Tag.

Nachtrag

Die gesamte Tour belief sich auf rund 7.800 km. An Kosten sind entstanden:

Fährfahrten, Inland (bereits durch die Ferjekort halbiert)61,30
Fährfahrten (DK-SE, NO-DK)329,42
Maut (rabattiert durch BroBizz)46,00
Diesel1.804,00
Camping- und Stellplätze, Parkgebühren253,68
Einkäufe Lebensmittel553,20
Eintrittsgelder, Souvenirs89,20
Summe3.136,80
Was kosten 4 Wochen Norwegen mit dem Camper?

Über das Sparpotential durch BroBizz und Ferjekort habe ich in diesem Artikel schon geschrieben, daher wiederhole ich das hier nicht.

Wobei man gut erkennen kann, dass die Treibstoffkosten der Preistreiber der Reise sind. In Norwegen hatten wir Dieselpreise zwischen 2,30 € und 2,70 €. Ein Kilometer kostete auf dieser Reise im Mittel 0,23 € an Diesel.

Überhaupt Geld: Auch auf dieser Reise in den Norden habe ich kein Bargeld gebraucht. Ich konnte alles mit Kreditkarte bezahlen. Einige Campingplätze betreiben ihre Duschen immer noch mit Münzeinwurf-Automaten. Dort kann aber direkt beim Check-in schon Münzgeld “gekauft” werden. Es ist wirklich nicht notwendig, für Reisen in Skandinavien Bargeld bei sich zu haben.

Würde ich diese Reise wiederholen? Nein. Vielleicht. Es war eine fantastisch schöne Tour, aber auch verbunden mit viel Fahrzeit. Fahrzeiten sind aber in Norwegen keine verschenkte Zeit, denn die Landschaften, die durchfahren werden, sind wunderschön.

Eine Frage wird mir immer wieder gestellt: Hast du keine Angst, für die Nacht so alleine irgendwo frei zu stehen? Zugegeben – die ersten Versuche waren schon etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe dann für das Freistehen den Camper mit Sicherheitsketten ausgerüstet. So können von Innen die Hecktüren(*Affiliate Links), die Schiebetür und Fahrer-/ Beifahrertür mit Ketten gegen das Öffnen gesichert werden. Niemand kann dann lautlos den Wagen von Außen öffnen. Das gibt mir ein gutes Gefühl von Sicherheit. Die Diskussion mit dem Einleiten von Betäubungsgasen möchte ich hier nicht führen – meiner Meinung nach ist es nicht möglich, einen Camper-Innenraum mit einem Gas zur Betäubung zu fluten, weil alleine die dazu notwendige Menge die Mitnahmemöglichkeiten eines Einbrechers überschreiten würde, von der in einem Kastenwagen vorhandenen ständigen Undichtigkeit mal abgesehen …

Die Nordkap - Kugel im Seenebel
Die Nordkap – Kugel im Seenebel

Der Punkt “Nordkap” ist nun auf meiner Bucket List abgehakt. Unsere nächsten Ziele stehen mehr oder weniger fest – wir wollen Senja noch eine Chance geben, die Lofoten wollen wir auch noch einmal besuchen. Und meine Tochter würde so gern eine Whale-Watching-Tour und vielleicht eine Seeadler-Safari mitmachen. Ich denke, damit sind die Eckdaten für die nächste große Reise schon gesteckt 🙂

Meine Highligts

Was hat mir besonders gut gefallen? Dazu gehört natürlich das Nordkap, die Vogelinsel Hornøya, die Rentiere, Stellplätze am See, das Hochland, die Landschaftsrouten und die Routen über Hochland. Das heißt nicht, dass Anderes mir nicht gefallen hat – alles war auf eine Art schön. Norwegen ist ein wunderbares Reiseland.

Mummy?
Mummy?

Hat dir mein Reisebericht gefallen? Schreib mir gerne einen Kommentar!


Die GPS Daten für den 4. Teil kannst du hier herunterladen:

3 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

error: