Die totale Sonnenfinsternis am 12.08.26 – Teil 1

Die totale Sonnenfinsternis am 12.08.26 – Teil 1

In diesem Reisebericht schreibe ich von unserere Reise nach Spanien im August 2026 und natürlich über die Sonnenfinsternis.

Für die Sonnenfinsternis kamen als Standorte Grönland, Island und Spanien in Frage. Grönland hat in dem Bereich aber keine Infrastruktur, Island an den Westfjorden keinen sicher freien Himmel. Also Spanien. Die Küste böte freie Sicht. Das Problem ist aber, dass im Sommer oft ein Meeres-Nebel reinzieht. Also fiel meine Wahl auf das Inland, denn Mallorca wollte ich nicht und die Ostküste wegen der vielen Berge auch nicht.

Am 05. August startete ich mit meiner Tochter im Camper Rudi nach Spanien. Ich hatte im Vorfeld mit Hilfe von Google, Google Earth, Streetview und KI einige Standorte für die Fotografie der Sonnenfinsternis ermittelt. Die Kriterien waren: hoch gelegen, mit dem Camper erreichbar (ich wollte nicht die Ausrüstung noch ewig einen Berg hochschleppen), freie Sicht über den ganzen Verlauf (250° bis 290° Azimut) und ab liebsten ungestört.

Die Anfahrt hatte ich mit fünf Tagen angesetzt, damit noch genügend Zeit für eine Überprüfung der Standorte bleiben würde. Also relativ gut vorbereitet.

An Kamera Ausrüstung kam mit: meine Sony A7V, das Tamron 50-400, Sony 24-105 und Tamron 17-35. Meine Tochter hatte die Sony 6100 samt einiger APSC Objektive und für die Sonnenfinsternis ein von mir ausgeliehenes Sony 70-200, das an APSC gut performen würde.

Für beide Teleobjektive habe ich aus der Baader Folie Sonnenfinsternis-Filter gebastelt, und zwar jeweils 2 Stück (you newer know). Außerdem hatten wir noch 6 neue SoFi Brillen dabei.

Filter und Brillen
Filter und Brillen, im Karton reisten diese wichtigen Teile mit

Der Camper war gut bestückt und beladen, wir machten uns dann am Abend des 05.08.26 auf den Weg ins ferne Spanien. Die erste Übernachtung war dann in Bispingen.

Unsere zweite Nacht verbrachten wir in Atzfeld, die dritte im französischen Blénau. Die Temperaturen stiegen, hier hatten wir es schon mit 29° zu tun. Am 08.08. konnte ich in Bonny-Sur-Loire morgens um 10:00 Uhr bei 34° Außentemperatur einkaufen. Welch ein Vergnügen, ich war somit das erste Mal an diesem Tag durchgeschwitzt.

Stellplatz auf Wiese
Stellplatz auf Wiese

Abends checkten wir in Saint-Genis-de-Saintonge bei immer noch 34° ein.

Der 09.08. begann schon großartig: an der Versorgungsstation flog mir der Wasserschlauch ab, meine Radlerhose war damit dann erstmal nass. Im Camper habe ich sie einfach ausgezogen und zum trocknen hingelegt und bin mit Schlüppi und Shirt weitergefahren. Es bestand ja keine Gefahr, dass ich mich dabei erkälte.

Am Mittag überquerten wir die Grenze nach Spanien bei Irun im Baskenland. Bis hierhin sind wir mautfrei gefahren. Wegen einer Straßensperre entschied ich mich dann aber für den kürzesten weiteren Weg über eine Mautstraße. Diese Mautstraße mussten wir dann auch irgendwann verlassen, um zum Schlafplatz zu kommen.

Theoretisch ist mir der Vorgang des Zahlens der Maut (ich hatte bei Einfahrt in die Mautstrasse ein Ticket gezogen) durchaus bekannt: an die Schranke fahren, Ticket einwerfen, dann zahlen. Entweder mit Karte oder Geld, je nach System. Ich fuhr also eng an den unbemannten Kasten für die Zahlung und die Schranke ran. Lustig ist, dass es zwei Bedienpanels gibt – eines für PKW Fahrer, die ja tief sitzen, und eines für LKW, wo der Fahrer ja sehr hoch sitzt. Als Kastenwagen Fahrer bist du mit dem Fenster genau dazwischen. Ich entschied mich für das obere Panel, weil ich aus dem Fenster gut ran kam.

Mein Ticket wurde im ersten Durchlauf nicht erkannt, beim zweiten Versuch dann schon. Dann begann das Drama.

Meine EC Karte wurde als Zahlungsmittel nicht akzeptiert. Nochmal der ganze Ablauf: Ticket einstecken, EC Karte wieder reinstecken – und dann: oh nein, EC Karte ist runtergefallen…

Ich mich also aus dem engen Spalt zwischen Camper und Zahlstation gequetscht (ich weiß bis heute nicht, warum ich nicht aus der Schiebetür raus bin), meine EC Karte gesucht. Und gefunden. Natürlich (!!) lag sie unter dem Camper. Natürlich auch so, dass ich nicht rankam (ich versuchte, sowohl mit Arm als auch Bein danach zu fischen). Zwischendurch habe ich immer wieder geschaut, ob jemand hinter dem Camper steht (glücklicherweise nicht), denn ich turnte hier ja immer noch nur in Shirt und Schlüppi rum, die Radlerhose lag immer noch zum trocknen im Camper.

Das Fischen nach der Karte gab ich auf, quetsche mich wieder (!!) durch die Fahrertür ins Auto, fuhr den Camper ein Stück zurück (Heh, da liegt meine EC Karte ja!), Karte eingesammelt und wieder vorgefahren. Ich hatte immer noch keine Hose an.

Tief durchatmen. Ticket einstecken. Jetzt die Kreditkarte (die gute Schwarze von Easybank, ehemals Barcleys). Das Ticket wurde nicht erkannt. Die maximale Strecke würde mir mit 10,40€ berechnet werden. EGAL, MACH! Bezahlen mit der Kreditkarte klappte. Ich habe keine Ahnung, ob diese Stationen überwacht werden, vermute aber ja, denn es hingen überall Kameras herum. Irgendwem habe ich sicher einen lustigen Abend verschafft. Mein Vorsatz, für den Rest der Strecke und für die Rückfahrt mautfrei zu fahren, habe ich zu dem Zeitpunkt nochmals neu gefasst.

Dass ich zum Schlafplatz in Onati eine abenteuerliche, enge und steile Piste durch Weinberge fahren musste (Danke, Google), um dann am Schlafplatz den schön ausgebauten Weg zu sehen, der hierher führt, war mir dann nur noch müdes „war ja klar“ wert. Aber wir waren jetzt, drei Tage vor der Sonnenfinsternis, in Spanien angekommen.

Ruine
Ruine

Am nächsten Tag ging es noch ein Stück weiter südlich, die potentiellen Spots aufsuchen. An diesem Tag haben wir drei davon besucht, davon taugte einer gar nichts, der zweite war gut, und der dritte steckte nach einer steilen Anfahrt über lockeren Schotter in einer Wolkendecke. Blieb also von diesen dreien noch einer. Ich hatte aber noch weitere Spots in petto. Unterwegs sahen wir an einem Felsen Gänsegeier, spannende Tiere.

Gänsegeier
Gänsegeier
Gänsegeier
Gänsegeier
Gänsegeier
Gänsegeier
Gänsegeier
Gänsegeier

Gänsegeier leben und jagen in Gemeinschaften.

Am 11.08. besuchten wir ein weiteres Mal die Gänsegeier und dann kam der 12. August. Es waren wieder 38°. Im Camper ohne Standklima bedeutet das: ebenfalls 38° und schwitzen, permanent. Erholung gibt es nur, wenn der Wagen läuft. Selbst meine beiden Akku-Ventilatoren können die warme Luft nur umschaufeln und nicht wirklich kühler machen. Für uns Nordlichter ist das nix und meine Wohlfühltemperatur ist sowieso bei 21°.

Santa Domingo de Silos
Santa Domingo de Silos

Wir sind zu dem einen funktionierenden Spot gefahren und dort habe ich entdeckt, dass in der letzten Phase (nach dem Wiederaustritt des Mondes, schon im Sonnenuntergang) ein Maschendrahtzaun im Bild wäre. So ein Mist! Eine Stunde vor dem Event so eine Entdeckung zu machen ist wirklich sehr ärgerlich. Wir sind dann eine Stichstrasse weiter eingebogen, dort waren aber leider Bäume, und die Gegend lag auch tiefer als der Spot. Nach ca. 2 Kilometern tauchte eine Schotterstrasse auf, die bergauf führte. Die fuhren wir hoch. Und kamen an den idealen Spot. Wiese, keine Tiere, ein alter Container (niemals im Bild), plattgefahrener Grund, auf dem der Camper stehen konnte. Und vor allem: freie Sicht. Das war zeitlich knapp, aber ein Jackpot bleibt ein Jackpot! Dass wir in der ganzen Zeit den Platz mit gefühlt einer million Fliegen teilen mussten, haben wir in Kauf genommen, denn ansonsten waren wir dort vollkommen ungestört und für die Suche nach einem weiteren Spot fehlte sowieso die Zeit.

Es geht los!
Es geht los!

Wir haben also die Stative aufgebaut, die Kameras fertig gemacht und dann ging es fast auch schon los, wir waren tatsächlich um 18:48 Uhr vor Ort, um 19:09 Uhr habe ich mein erstes Foto gemacht, noch 25 Minuten bis es losgehen sollte.

Sonnenfinsternis, der Mond schiebt sich vor die Sonne
Sonnenfinsternis, der Mond schiebt sich vor die Sonne

Die Zeit verging wie im Fluge. Und plötzlich konnte man im Display sehen, wie der Mond begann, sich vor die Sonne zu schieben.

Wir haben immer wieder mit den Schutzbrillen geschaut, wie es denn wirklich aussieht. Und immer wieder den Auslöser gedrückt, die Kameras an den Stand der Sonne angepasst..

Und dann kam der Moment, auf den ich so lange gewartet hatte: die vollständige Abdeckung stand kurz bevor. Das Licht veränderte sich, es wurde golden. Die Vögel begannen ihren Abendgesang. Und dann wurde es dunkel und kühler. Es war unwirklich. Gleichzeitig die Natur zu beobachten, zu empfinden und die Kamera zu bedienen, stresste mich unglaublich. Ich machte Fehler, die ich aber korrigieren konnte, aber ich war wirklich gestresst. Ich habe vergessen, die Totalität im Bracketing zu fotografieren. Und als ich danach den Filter wieder aufsetzte, merkte ich erst nicht, dass ich damit den Tele eingeschoben hatte und auf 50 mm fotografierte.

Wir sahen und fotografierten die Korona, den Diamond-Ring Effekt beim Austritt aus der Verdunkelung. Gänsehaut pur.

Und dann war es auch schon vorbei. 1 Minute und 19 Sekunden Dunkelheit. Der Mond zog weiter, die Vögel begannen (etwas verwundert) wieder zu singen.

Ich machte weitere Aufnahmen vom Austritt des Mondes, bis die Sonne am Horizont verschwand.

Sonnenfinsternis, Sonnenuntergang. Der Mond schiebt sich aus der Sonne
Sonnenfinsternis, Sonnenuntergang. Der Mond schiebt sich aus der Sonne

Es war wirklich ein bemerkenswertes Erlebnis an das ich mich noch lange erinnern werde.

Wir bauten ab, verpackten unsere Ausrüstung wieder, verscheuchten die Fliegen aus dem Camper und machten uns auf den Rückweg zum Stellplatz der letzten Tage in Huerta de Rey.

Angekommen habe ich nur noch Daten gesichert. Erst zu Hause würde ich mir die Bilder der SoFi ansehen und entscheiden, wie ich sie verarbeiten würde.

Ein Ergebnis seht ihr hier:

Im nächsten Teil beginnt unserer Rückreise. Pyrenäen, Bretagne, Belgien, Niederlande.

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